Hallenbad – Generalsanierung

31.07.2020    Bedauerliche Entwicklung auf der aquatherm-Baustelle


Seit 01. März 2018 läuft die Generalsanierung unseres Hallenbades. Nach etlichen Bauverzögerungen, die auch der Sanierung im Bestand mit unerwarteten Mehrarbeiten geschuldet waren, hatten wir die Eröffnung für Ende Juli/Anfang August 2020 fest eingeplant.
Leider können wir nun auch diesen Termin nicht halten. Wir haben für Sie die Fakten für die erneute Verzögerung zusammengestellt:

Was ist der Grund für die Verzögerung?

Anfang April wurde nach dem Abdichtungsarbeiten im 25-Meter-Schwimmbecken und dem Nichtschwimmerbecken festgestellt, dass eine abweichende Dichtungsmasse eingebaut wurde. Statt der geforderten Epoxidharz-Masse hatte die beauftragte Firma eine Abdichtung auf Zementbasis als Untergrund für die Fliesen aufgetragen. Dies ist zwar billiger, hat aber bei weitem nicht die Haftzugfestigkeit der Epoxidharz-Masse. Die Stadtwerke befürchteten, dass sich in ein paar Jahren die Fliesen von den Wänden im Schwimmerbecken lösen. Ständige Reparaturen und damit Kosten wären die Folge.
Die Stadtwerke haben deshalb darauf bestanden, dass die fälschlicherweise aufgebrachte Dichtungsmasse entfernt und durch die beauftragte Epoxy-Masse ersetzt wird.

Glücklicherweise – denn ein von den Stadtwerken beauftragter Gutachter hat nun festgestellt, dass zwar die falsche Dichtungsmasse entfernt wurde, aber auch der darunterliegende Schwimmbadputz mangelhaft verarbeitet ist. Der Schwimmbadputz war an den untersuchten Stellen im 25m-Becken großflächig zu wenig mit dem Rohbeton verkrallt, im Nichtschwimmerbecken stellenweise. Außerdem wurden Nägel, mit denen die Putzleisten befestigt waren, nicht ordnungsgemäß entfernt.
Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass im Schwimmerbecken der gesamte Putz entfernt werden muss, im Lehrschwimmbecken können die Schadstellen möglicherweise ausgebessert werden.


Wer ist schuld?

Die Stadtwerke als Bauherr trifft nicht die Schuld, sondern sie haben erst einmal den Schaden. Ein Projekt dieser Größenordnung muss von entsprechenden Fachleuten betreut und abgewickelt werden, die so auch von den Stadtwerken beauftragt wurden.
Aus Sicht der Stadtwerke handelt es sich hauptsächlich um ein Versagen der beauftragten Fliesenfirma. Die Rolle der Planer und Bauüberwachung ist zu überprüfen. Dies wird voraussichtlich nur juristisch abzuklären sein.

Wie geht es nun weiter?

Aktuell ist noch offen, ob die beauftragte Firma willens und in der Lage ist eine ordnungsgemäße Arbeit zu gewährleisten. Einfach die Firma wechseln, geht aber nicht. Beim Vorgehen ist man aber an das enge Korsett der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB) gebunden. In Abstimmung mit Fachanwälten wurde die Firma zur Mängelbeseitigung innerhalb einer angemessenen Frist aufgefordert sowie die Kündigung des Auftrages angedroht.

Im Falle einer ordentlichen Kündigung muss ein anderes Unternehmen mit diesen Arbeiten beauftragt werden. Es ist davon ausgehen, dass hierfür wieder EU-weit ausgeschrieben werden muss. Parallel hierzu wird geprüft, ob eine anderweitige, beschleunigte Vergabe statthaft ist.

Die Stadtwerke sind öffentlicher Auftraggeber und somit an das Vergaberecht gebunden, eine vergaberechtlich einwandfreie Vorgehensweise ist Grundvoraussetzung, dass die öffentlichen Zuschüsse nicht gefährdet werden. Die Stadtwerke haben deshalb eine Fachanwaltskanzlei eingeschaltet. Diese soll verhindern, dass Verfahrensfehler gemacht werden, die möglicherweise die Ansprüche der Stadtwerke, aber auch die öffentlichen Fördermittel gefährden.


Was bedeutet das für die Baustelle?

Das Schwimmbecken muss jetzt wie schon zu Beginn der Sanierung bis auf den Rohbeton zurückgebaut werden. Dann beginnt der Wiederaufbau des Untergrunds, darauf kommen dann die Fliesen. Dazwischen sind längere Trocknungszeiten notwendig. Dann müssen noch Dichtigkeit und Schwimmbadtechnik geprüft werden. Alleine diese Arbeiten, dauern mindestens sechs Wochen.
Realistischer Weise ist davon auszugehen, dass eine Eröffnung wahrscheinlich erst in der. 2. Jahreshälfte 2021 möglich sein wird.


Günstiger Anbieter = schlechte Ausführung?

Durch das komplizierte Vergaberecht haben öffentliche Auftraggeber nur geringe Einflussmöglichkeiten auf die Auftragsvergaben, das Hauptaugenmerk liegt auf der Wirtschaftlichkeit. Aber der Billigste muss natürlich nicht auch der Beste sein.

Die Eignung eines Anbieters wird natürlich geprüft. Um aber einen Anbieter von der Vergabe auszuschließen, sind aber schon schwere Geschütze aufzufahren. Wird z.B. die fachliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens angezweifelt, muss dies auch beweisbar sein. Im Falle der beauftragten Firma ist es aber so, dass diese in den Vorjahren etliche Großbaustellen, auch in Bädern, anscheinend ohne Beanstandungen abgewickelt hat. Es gab damit keinen Grund, den Auftrag an einen anderen Anbieter zu vergeben.

Entwurf des neuen Aquatherm Hallenbades